SWR-Rundfunkrat weißt die Bezeichnung „Staatspresse“ zurück

Als Mitglied des SWR-Rundfunkrates möchte ich die nachfolgende Erklärung des Gremiums veröffentlichen, die aus aktuellem Anlass an der Sitzung am 29. September 2017 in Baden-Baden beschlossen wurde:

Erklärung des SWR-Rundfunkrats

  1. Die Mitglieder des SWR-Rundfunkrats weisen die populistische Bezeichnung des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks als „Staatspresse“ und den Vergleich mit einem totalitären Regime wie Nordkorea als nicht zu akzeptierende und unwürdige Entgleisung entschieden zurück.
  2. Dass gerade ein intellektueller Journalist und hochrangiger Manager wie Mathias Döpfner sich derart platter und provokanter Vergleiche bedienen muss, ist ein Tiefpunkt im Umgang des Qualitätsjournalismus untereinander. Es ist eine neue Dimension, den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk, seine Mitarbeiter und Gremien in einem Atemzug, ehrabschneidend, mit totalitären Regimen zu nennen. Das waren wir bisher nur von anderen Gruppierungen am Rande des politischen Spektrums gewohnt.
  3. Wir brauchen in der Bundesrepublik Deutschland weiterhin publizistische Vielfalt. Qualitativ hochwertige Inhalte sind für den in der Demokratie notwendigen Meinungsbildungsprozess konstitutiv. Jeder innerhalb des dualen Rundfunksystems muss dazu seinen Beitrag leisten. Der SWR mit der Zusammensetzung seiner pluralen Gremien bleibt dafür weiterhin ein Garant.
  4. Wir erwarten auch von der Gemeinschaft der Intendanten, in diesen schwierigen Zeiten für einen starken Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk im Sinne der notwendigen Medienvielfalt klare Haltung zu zeigen. Wettbewerb und nicht Diffamierungen bringen die gemeinsame Sache im Sinne unserer Demokratie voran.

Quellverweis Text und Foto: swr.de