Landesschulbeirat begrüßt Ethikunterricht

Als Mitglied des Landesschulbeirats Baden-Württemberg möchte ich die nachfolgende Pressemitteilung des Gremiums veröffentlichen. Der Landesschulbeirat ist ein Beratungsgremium des Kultusministeriums. Er berät das Kultusministerium bei der Vorbereitung und Durchführung grundsätzlicher Maßnahmen auf dem Gebiet des Schulwesens. Er ist berechtigt, dem Ministerium Vorschläge und Anregungen zu unterbreiten. Im Landesschulbeirat sind alle an der Erziehung und Jugendbildung beteiligten gesellschaftlichen Gruppen vertreten.

 

Landesschulbeirat Baden-Württemberg begrüßt die stufenweise Einführung des Ethikunterrichts ab Klasse 5 in der Sekundarstufe I – Ethikunterricht auch an den Grundschulen muss dringend eingerichtet werden

„Wir freuen uns, dass Ethikunterricht ab Klasse 5 bis zum Schuljahr 2021/2022 in allen Schularten der Sekundarstufe eingeführt wird“, erklärt Ingeborge Schöffel-Tschinke, die Vorsitzende des Landesschulbeirats (LSB). Die gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre machen eine intensive Werteerziehung in unseren Schulen notwendig. Da immer mehr Schülerinnen und Schüler nicht am Religionsunterricht teilnehmen, ist es umso wichtiger, dass die Schule diesen Kindern und Jugendlichen mit dem Fach Ethik ein Feld bietet, auf dem eine fundierte Auseinandersetzung mit den Werten unserer Gesellschaft stattfindet, so Schöffel-Tschinke weiter. Zunehmende Diversität und die Notwendigkeit, geflüchtete Kinder schnell in unsere Gesellschaft zu integrieren, erfordern schnelles und konsequentes Handeln.

Umso wichtiger ist es, gerade die Grundschulkinder nicht auszunehmen. Bereits im April 2016 forderte der LSB in einem einstimmigen Beschluss, ab Klasse 1 für alle Kinder, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, ein flächendeckendes Ethikangebot einzuführen. Besonders durch Zuzüge aus dem europäischen Ausland und immer mehr Kinder von Geflüchteten in den Grundschulen besteht hier ein dringender Bedarf. Es nehmen zwar in den Grundschulen rund 30% der nicht getauften Kinder am Religionsunterricht teil, dies ist allerdings auch der veränderten Taufpraxis geschuldet. Gerade Kinder aus nicht religiös gebundenen Elternhäusern oder muslimischen Glaubens erhalten weitgehend keinerlei Unterrichtsangebot in Religion oder Ethik. Wir bedauern, dass es (trotz eines anderslautenden Gerichtsurteils) in Baden-Württemberg bis heute keinen Rechtsanspruch auf Ethikunterricht gibt und halten es für dringend erforderlich, zeitnah einen entsprechenden Bildungsplan zu erstellen und Ethikunterricht für alle Schülerinnen und Schüler, unabhängig von Alter und Schulart, einzuführen, betont Ingeborge Schöffel-Tschinke. Der Standpunkt, Werteerziehung in den Schulen sei nicht auf ein Fach begrenzt und finde tagtäglich statt, sei nicht mehr zeitgemäß. Es gehe nicht an, den Schulen die Verantwortung für die Werteerziehung zuzuweisen, ohne sie mit den entsprechenden Mitteln und Möglichkeiten auszustatten.

Foto: hmauck / cc0 – gemeinfrei / Quelle: pixabay.com