Adventsempfang der katholischen Jugend

Beim diesjährigen Adventsempfang des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in Baden-Württemberg im Stuttgarter Rupert-Mayer-Saal wurden Landesreferent Kai Mungenast und Diözesanleiter Ulrich Müllerschön verabschiedet und die beiden Nachfolger Bendix Wulfgramm und Benjamin Wahl begrüßt. Anbei die Worte des bisherigen BDKJ-Landesreferenten Kai Mungenast:

„Der BDKJ-Landesreferent wird bei uns in Baden-Württemberg durch die Landesversammlung mit Vertretern der beiden Diözesanleitungen von Freiburg und Rottenburg-Stuttgart gewählt. Meine erste Wahl liegt einige Jahre zurück. Wer unsere beiden damaligen Diözesanleiter Ulrich Müllerschön und Manuel Schätzle kennt, den verwundert wohl nicht, dass den Kandidaten vorab eine Aufgabe gestellt wurde. Es galt die Herausforderungen der Katholischen Jugendarbeit in Baden-Württemberg und das daraus folgende politische Engagement des BDKJ darzustellen.

Durch den Diebstahl meins Rucksacks samt Laptop in diesem Jahr gingen etliche Daten verloren. Glücklicherweise aber nicht meine damalige Präsentation, so dass ich heute erneut einen Blick auf meine Stichpunkte von 2012 werfen konnte. Ich gab als Handlungsfelder an: Neue Sozialstrukturen; Verantwortung von Kindern, Jugendliche und junge Erwachsene im BDKJ; Sinus-Studie: Was passiert danach?; Veränderung von Schule und Studium; Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte; eine spitze Feder: Konzeptpapiere (u.a. Zukunftsplan Jugend); die neue grün-rote Landesregierung und der Landesjugendplan.

Mit diesem Programm wurde ich beauftragt und diesem habe ich mich verpflichtet gefühlt. All diese Stichworte waren für meine Arbeit an der BDKJ-Landesstelle handlungsleitend. Wir haben einiges auf den Weg gebracht: Die 72-Stunden-Aktion politisch begleitet, uns bei der Sommerkampagne des Landesjugendrings mit vielen Freizeitbesuchen beteiligt, die Kampagne zur Landtagswahl „Jugendarbeit ist MehrWert“ in den kirchlichen Strukturen umgesetzt, die Entwicklung der Ganztagesschule kritisch und konstruktiv begleitet, damit die Verbindung Jugendarbeit und Schule ins Gespräch gebracht. Dabei waren die Sitzungen des LAK Jugendpolitik und der Diözesanversammlungen beider BDKJ-Verbände jeweils wichtige Resonanzgruppen.

Die genannten Themen stammen aus 2012. Und wir waren gemeinsam nun mehrere Jahre an diesen Themen dran. Aber: Wenn wir heute erneut eine solche Liste aufstellen müsstet, dann stünden sicher etliche dieser Themen erneut auf der Folie. Und der Blick in das Archiv der Landesstelle hat mir immer wieder gezeigt, dass auch meinen Vorgängern diese Themen bekannt vorkommen dürften. Dies zeigt, dass ein Landesreferent nicht ausreicht um ein politisches Thema abzuschließen, sondern alle vier Generationen von Landesreferentinnen und Referenten, die heute Abend hier sind, Hand in Hand gearbeitet haben. Und es zeigt, Jugendpolitik endet nie, sondern bleibt eine beständige Aufgabe des BDKJ. Ganz nach unserer Überzeugung: Katholisch, politisch, aktiv!

Heute soll ein Abend des Dankes, des Wechsels und des Neubeginns sein. Aber so ganz kann ich mit der Jugendpolitik dann doch nicht aufhören, so dass mir noch eine Beobachtung aus meiner Arbeit wichtig ist:

Nach der Landtagswahl waren plötzlich alle geschockt! Eine rechtpopulistische Partei ist in unseren Landtag eingezogen. Das Ergebnis so eindeutig, dass man nicht mehr von einer Randerscheinung sprechen kann. Dabei kam dieses Ergebnis keineswegs überraschend. Sicher, unter den AfD-Wählern wird es etliche geben, die aus der rechten Ecke stammen und mit ihren Überzeugungen weit weg von uns als BDKJ und Kirche stehen. Dennoch scheint es auch einen großen Teil von Wählerinnen und Wähler geben, die mit ihrer Stimme einen Protest ausdrücken wollten.

Die AfD ist für mich keine Alternative und die Wahl dieser Partei für mich daher kein geeignetes Mittel des Protestes. Dennoch muss sich die etablierte Politik mit diesem Ergebnis anfragen lassen. Als BDKJ-Landesreferent und auch als Landesjugendring-Vorstand habe ich es oft genug selbst erlebt: Gesprächsanfragen werden ignoriert, öffentliche Grußwörter zu Wahlkampfreden missbraucht, Schuld ist immer die andere Fraktion („wir würden ja, aber…“), die inhaltlichen Konzepte der Parteien für die Probleme unserer Zeit lesen sich zu häufig Parteigefärbt und Oberflächlich. Es waren wohl viele Mosaiksteine, die dazu geführt haben. Als ein solches Steinchen sehe ich die über Jahre stetige Unterfinanzierung unseres schulischen und außerschulischen Bildungssystems. Dazu zählt für mich auch die nicht erfolgte Anpassung von Zuschussquoten im Landesjugendplan.

Die Wahlergebnisse sind eine der vielen Gründe, weshalb es die selbstorganisierte Jugendarbeit braucht. Etliche Kandidatinnen und Kandidaten haben dies zur Landtagswahl angeblich erkannt und sich für unsere Kampagne „Jugendarbeit ist MehrWert“ ausgesprochen. Wir haben nachgezählt: Wenn jede und jeder Abgeordnete zu seinem Wort steht, dürfte einer Stärkung der Jugendverbandsarbeit nichts im Wege stehen! Oder heißt es doch wieder „Wir würden ja gerne, aber…“? Das wurde schon viel zu oft gesagt und damit der AfD einen Boden bereitet. Für mich ist es eine Zeit, in der es eine starke selbstorganisierte Jugendarbeit braucht. Also, liebe Engagierte des BDKJ, jetzt heißt es für euch sich lautstark einmischen, damit unsere gesellschaftlichen Vorstellungen eines demokratischen Miteinanders in Baden-Württemberg wieder gestärkt werden!

Jetzt aber genug von politischer Rede. Mindestens genauso wichtig, wenn nicht sogar noch wichtiger, ist mir Danke zu sagen. (…)“